Jul
15

 

der Boden ist trocken und aufgewärmt von den Strahlen der sommerlichen Sonne Italiens. Es duftet nach Thymian und Salbei. Wilder Spargel wächst hier und da am Wegesrand. Gräser leuchten golden in der leichten Sommerbrise. Blauer Himmel strahlt durch das Blattgrün der Bäume. Immer wieder gibt es den Blick in die Weite frei. Es ist ein wunderbarer Weg inmitten abgeschiedener Natur, den Franz von Assisi in seiner Heimat Umbrien seinerzeit regelmässig zurücklegt. Der Weg zu den „Carceri“, oberhalb von Assisi gelegen, in den Wäldern am Hang des Monte Subasio. Hier, in Einsamkeit und Stille, will er Kraft schöpfen, die Nähe Gottes erfahren und Antworten auf seine Fragen finden. Immer wieder sucht er die Stille, um den Blick nach innen zu richten, um dann gestärkt in der Welt zu bestehen und in ihr wirken zu können. 

Solche wunderbaren Wege gibt es überall, ob in den Bergen, in der Ebene oder am Meer. Es gibt sie vor unserer Haustür, sogar in Parkanlagen mitten in unseren Städten. Jetzt in diesen Sommertagen ist es eine wohltuende Erholung, uns inmitten der Natur zu bewegen, dort zu verweilen und Ruhe zu finden. Sich nach innen zu richten, unseren Glauben zu stärken und sich darin gehalten und aufgehoben zu fühlen. 

Es ist so wichtig für jeden von uns, sich solche Auszeiten zu erlauben, weil wir alle jeden Tag gefordert sind, in unserer Welt zu bestehen. Wir sind immer wieder gefordert, den Frieden in uns zu finden. Das, was wir in unserem Umfeld für eine geschwisterliche Welt des Miteinanders tun können, zu tun. An dem, was wir nicht verändern können, weil es ausserhalb unseres Wirkungskreises liegt, nicht zu verzweifeln. 

Da denke ich natürlich an all die Menschen weltweit, die sich an uns wenden und um Hilfe bitten. Ich sehe so viele Kinder, die, weil wir gemeinsam helfen, jeden Tag etwas zu essen bekommen und die Schule besuchen. Der Gedanke, dass es all die unterschiedlichen Hilfen plötzlich nicht mehr geben könnte, ist kaum zu denken, kaum zu ertragen. Die Folgen wären fatal. Es gibt genügend Orte, an denen Menschen in Not nur durch unser Wirken neue Hoffnung, Zuversicht und Würde finden und das sichere Gefühl: Ich bin nicht allein. 

Ich bin so dankbar dafür, dass sich durch unser grosses Netzwerk, das auch Sie in Ihrem Zuhause einschliesst, weltweit Miteinander, Fürsorge und Geschwisterlichkeit festigen, Menschlichkeit und Gemeinschaft wachsen können. Wenn ich mir all die Menschen vor Augen führe, und es sind viel mehr als ich sehen kann, die durch unser gemeinschaftliches Wirken ein Netz des Miteinanders flechten, bin ich tief bewegt. Das spornt mich jeden Tag an, weiter für Menschen in Not da zu sein. 

Möge Sie in diesen Sommertagen Momente der Gemeinschaft aber auch Zeiten der Stille und des inneren Rückzugs erleben und so im Gefühl bestärkt werden, gehalten und getragen zu sein. 

 

PAX ET BONUM

Bruder Mathias Müller OFM