May
22

 

 

 

an vielen Orten der Not in der Welt dürfen wir franziskanischen Brüder und Schwestern täglich erleben, was es für die Menschen bedeutet, wenn wir ihnen unsere Hand reichen. Eine Hand, gefüllt mit Brot, mit Reis, Getreide oder anderen Grundnahrungsmitteln, die überleben hilft. In Zeiten des Hungers gibt es keine grössere Kostbarkeit als diese Geste der Nächstenliebe, die so vieles bedeutet. Für eine Mutter in ihrer Verzagtheit im Herzen, ihre Kinder nicht ernähren zu können und tagtäglich das Leid ihrer Kleinen vor Augen, bedeutet diese Geste eine grosse Erleichterung. Sie bedeutet ihrem tiefen Bedürfnis der Mutterliebe und ihrer mütterlichen Aufgabe nachgehen zu können, ihre Liebsten zu ernähren, Leid zu mindern.

Wenn jeder etwas gibt, haben alle genug. 

Mit unseren Mitmenschen teilen, ist eines der Grundprinzipien unseres christlichen Glaubens. Teilen ist auch durch und durch eine franziskanische innere Haltung, die uns Franz von Assisi mit tiefer Hingabe vorgelebt hat. Das Brot brechen ist einwichtiger Ritus jeder Eucharistiefeier. Ein Symbol der Hingabe, unser Leben miteinander zu teilen und damit einen Raum für Gemeinschaft und Nächstenliebe, Verbundenheit, Wärme und Fürsorge zu öffnen. Eine neue Welt wird möglich.

Die schlimmsten Ernährungskrisen weltweit werden zu einem grossen Teil durch politische und wirtschaftliche Konflikte ausgelöst. Schauen wir  auf die Hilferufe, die uns in den letzten Jahren aus aller Welt erreichen, sehen wir, dass Hunger sich mehr und mehr ausbreitet. Haiti ist beispielsweise ein Land, in dem Millionen Menschen wegen den gewaltsamen Konflikten ihre notwendigsten Bedürfnisse wie tägliche Nahrungsmittel nicht mehr selbst abdecken können. Neben den politischen Zuspitzungen und dem wirtschaftlichen Zusammenbruch müssen sie mit den ins Astronomische gestiegenen Kosten für Grundnahrungsmittel zurechtkommen. Für jene, die schon vor diesen Krisen in Armut lebten, ist es unmöglich geworden, ohne Hilfe von aussen zu überleben. Der Zusammenhang zwischen Konflikten und Hunger ist unumstritten und kostet das Leben gerade vieler Kinder.

Es ist unvorstellbar für uns hier in der Schweiz, unter welch erschreckenden Alltagsbedingungen die Menschen gerade auch in der Hauptstadt Haitis, Port-au-Prince, leben. Das Land steckt in einer der grössten politischen und wirtschaftlichen Krisen. Das Leben ist geprägt von roher Bandengewalt. Jeden Tag. Hunger breitet sich aus. Chaos herrscht. Pater Moise und seine Mitbrüder helfen, wo sie können. Sie möchten dafür sorgen, dass zumindest Lebensmittel da sind, um den Hunger der Menschen in ihrem Umfeld zu stillen. Die Franziskaner bitten uns um schnelle Hilfe.

Ein sichtbares Zeichen unseres Glaubens ist das Teilen, denn, wenn jeder etwas gibt, haben alle genug. Lassen Sie uns weiter gemeinsam teilen und konkret da helfen, wo wir so dringend gebraucht werden. Da, wo wir mit unserer Hingabe und geschwisterlichen Verbundenheit neue Hoffnung und Zuversicht in das Leben wachsen lassen können.

Möge Gottes Segen Sie und Ihre Lieben in Ihrem täglichen Leben begleiten.

PAX ET BONUM

Bruder Mathias Müller OFM

P.S. Am Mittwoch, 29. Mai um 18.00 Uhr laden wir Franziskaner zu einer festlichen Vesper in der Dreifaltigkeitskirche, Taubenstrasse 6 in Bern ein. Anschliessend sind alle zu einem Apéro eingeladen. Wir freuen uns auf schöne Begegnungen.