Jul
22

sehr oft sind Krisen, Bruchlandungen und Zeiten des Leids bedeutende Türöffner und grosse Erfahrungsschätze für etwas ganz Neues. Schaue ich auf die augenblickliche Weltsituation, spüre ich eine Zuspitzung von Ereignissen,die aus der Weltordnung eine grosse Weltunordnung machen.Abgesehen von der Coronakrise, die jeden einzelnen Menschen auf unserem Planeten trifft, tobt ein nicht enden wollender Krieg in Afghanistan. Wir sind mit einer gefährlichen Instabilität im Irak konfrontiert und einem fortdauernden Bürgerkrieg in Syrien ebenso wie in der Ukraine. Der entsetzliche Krieg im Jemen. Die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite. Keine Lösung für Palästina, Kämpfe rivalisierender Milizen in Libyen, der Dauerkonflikt zwischen Indien und Pakistan über Kaschmir, die sich zuspitzende Konfrontation zwischen China und den Vereinigten Staaten im Indopazifik, weltweite Aufrüstung und Gewaltzunahme, Flüchtlingsströme und Klimawandel. All das geschieht im Schatten der täglichen Coronanachrichten, die die Welt in Schach halten.

Heute erleben wir, wie wichtig menschenfreundliches Handeln mit einem weiten Blick für das
Ganze ist.Vielleicht ist es wichtig, uns völlig neu zu orientieren, hin zu etwas, das es noch nicht gibt. Vielleicht müssen wir uns Gottes Hand anvertrauen und uns führen lassen in ein friedfertiges und liebevolles Handeln uns selbst und unseren Mitmenschen gegenüber. Dieses Vertrauen kann uns in eine andere Weltordnung führen, wie viele Menschen sie sich wünschen. Eine Weltordnung, in der jeder einzelne in seinem Wirken einen Platz findet und gleichzeitig einen Dienst am göttlichen Ganzen tut. Vielen Menschen hilft da tägliches Gebet, Meditation, die Verbundenheit zur Natur oder der achtsame Blick für den Mitmenschen. Das alles schafft Nähe zu sich selbst, zu Gott und zu dem, was uns umgibt. Da denke ich an die Geschwisterlichkeit unter allen Lebewesen, die Franz von Assisi schon vor mehr als 800 Jahren erkannt und gelebt hat.

Weil meine Welt franziskanisch und somit geschwisterlich orientiert ist, liegt es mir immer am Herzen, mich für die Armen, Schwachen und Ausgegrenzten einzusetzen. Es liegt mir am Herzen, ihre Bedürfnisse zu sehen und zu achten und Ihnen eine Stimme zu geben. So bitte ich heute um Ihre Hilfe für die be- sonders betroffenen Mitmenschen dieser ungewöhnlichen und herausfordernden Zeit.

Bei all meinen Bitten um Ihre Hilfe ist mir die Dankbarkeit für Ihr Mitgefühl und Ihre Nächstenliebe wichtig. Schwester Flora aus Tansania schreibt uns in einem Dankesbrief: «Gott segne Sie alle, die Sie für die Armen da sind. Wir nehmen Sie auf in unser tägliches Gebet. Danke für Ihre Unterstützung.» Diesem Dank und Segenswunsch schliesse ich mich an. Möge Ihnen und Ihren Lieben Gesundheit geschenkt sein.

 

In herzlicher Verbundenheit

Pax et Bonum!

Ihr

Bruder Mathias Müller OFM