Jan
29

in den ersten Tagen des neuen Jahres, auf meinem morgendlichen Weg durch die Stadt, kommt mir eine Frau entgegen. Sie schaut mich an, bleibt stehen und spricht: «Danke Ihnen für Ihr Lächeln. Es hilft mir den ganzen Tag.»

Ich war ganz erstaunt über diesen Dank. Erstaunt, weil ich den Eindruck hatte, an diesem Morgen nicht übermässig fröhlich zu sein, aber noch mehr darüber, was so ein kleines Lächeln bei anderen
bewirken kann. Mir ist bewusst geworden, wie wichtig unsere alltäglichen kleinen Begegnungen sind. Manchmal denken wir vielleicht, wir müssten ausserordentliche Dinge vollbringen, und verzweifeln dann an unserer Schwachheit. Dabei scheint der Kern des Lebens ganz anderswo zu liegen, nämlich in den kleinen Dingen des Alltags. Und wenn es nur ein kleines Lächeln ist, das ich weiterschenke. Ein Lächeln aus dem Herzen, weil ich im Nächsten einen Bruder oder eine Schwester erkenne.

Bei meinen Reisen an Orte der Not habe ich in den Begegnungen mit den Menschen die Erfahrung gemacht, dass gerade sie viel Wärme in einem Lächeln, einer Umarmung oder durch einen Blick zu verschenken haben.
Sie haben einen inneren Reichtum, der in unserer Welt oft fehlt oder verloren gegangen ist.

Ich habe erfahren, dass das Geben immer mehrere Seiten hat. Wir hier in der Schweiz können entscheidend dazu beitragen, die Not von Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern weltweit zu lindern, ja sogar Leben zu retten. Damit zaubern wir ein Lächeln der Freude und Dankbarkeit in ihre Gesichter und verändern Lebenswege.

Was wir von den Menschen annehmen können, die nicht gesegnet sind von materiellem Wohlstand und in Not leben, ist nicht materieller Natur. Sie schenken menschliche Wärme und ein grosses weites Herz. Sie beschenken uns mit ihrem inneren Reichtum. So sind beide Seiten beschenkt, weil jeder, der gibt, auch empfängt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Neues Jahr und bitte Sie, an unserer Seite
zu bleiben.

 

Pax et Bonum!

Ihr

Bruder Mathias Müller OFM